Platzertal

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Ein einzigartiges Tal, kostbar und schützenswert.

Das majestätisch erhabene Platzertal liegt auf 2.300 Metern Seehöhe. Einzigartige Lebensräume wie alpine Moorlandschaften, Trockenbiotope und selten gewordene mäandrierende (gewundene) Gewässerabschnitte sind dort zu finden. Solche besonderen Lebensräume sind so bedeutend für den gesamten Alpenraum, dass sie unter rechtlichem Schutz der EU stehen.

In Höhen wie diesen vermehren sich Pflanzen kaum über Pollen und Samen, sondern hauptsächlich über die Wurzeln. Das Wachstum ist dementsprechend verlangsamt. Wenn man auf einer Alm über 2.000 m Seehöhe nur 1m² Boden entfernt, braucht die umliegende Vegetation Jahrhunderte, um den Ausgangszustand wieder her zu stellen. Wenn wir jetzt zulassen, dass das ganze Tal aufgestaut wird, ist dieser Boden nicht nur für unsere nachfolgenden Generationen verloren. Es würde mindestens 10.000 Jahre dauern, bis das Tal wieder so aussehen würde wie wir es jetzt kennen und bestaunen. Manche Pflanzen würden überhaupt aussterben. Diese Endemiten überdauerten entweder die letzte Eiszeit oder waren an ihrem Standort so von anderen Populationen isoliert, dass sie eigene genetische Arten entwickelt haben. Mit dem Bau des Kraftwerks würde diese einzigartige Pflanzenwelt für immer verloren gehen. Eine neuerliche Ansiedlung oder Bepflanzung würde nicht mehr funktionieren.

Aber nicht nur die Pflanzenwelt, auch der Boden selbst ist aufgrund seines hohen Gehaltes an Kohlenstoff schützenswert. Ein intaktes Ökosystem im Platzertal stellt eine Kohlenstoffsenke dar und nimmt mehr Kohlenstoff auf, als es abgibt. Dieser Nutzen wird zusätzlich zerstört. Ein Pumpspeicherwerk arbeitet mit Eurostrom, das heißt unter anderem mit klimaschädlichem Kohlestrom und bis zu 35 % Atomstrom.

Lasst uns gemeinsam besondere Lebensräume wie das Platzertal schützen! Nicht nur für uns, um uns weiterhin in der einzigartigen Natur des Tales zu erholen und uns daran erfreuen zu können. Sondern vor allem für die nachfolgenden Generationen, damit künftige Kinder auch weiterhin an Gebirgsbächen und Sandbänken spielen können. Wir sind mitverantwortlich, wie ihre Lebensräume in der Zukunft aussehen werden. Ohne unser Eingreifen wird es viele solcher wertvollen Lebensräume für die Nachwelt nicht mehr geben.

Hochtäler wie das Platzertal sind in der letzten Eiszeit entstanden und wurden danach über 10.000 Jahre lang von Gletschern und Bächen geformt. Die über viele 1.000 Jahre abgelagerten Sedimente bilden den Grund und Boden für das Wachstum von Pflanzen und damit auch den Lebensraum der alpinen Fauna.

Das Projekt

Am Beginn des Platzertals steht die inzwischen stark verfallene Aufbereitungsanlage der historischen Bergwerksanlage. Im flachen Talboden dahinter steht die gepflegte Platzalm. Im hinteren Teil des Tals, am Osthang, steht auf ca. 2500m das alte Berghaus an dessen Instandsetzung der Bergwerksverein arbeitete. Der geplante Stausee würde nur wenige Meter unterhalb des Berghauses liegen. Der Speicherteich wird nicht nur ein landschaftlich wunderschönes Hochtal vernichten, sondern  geschützte Lebensräume in der Größenordnung von rund 14 Fußballfeldern zerstören. Damit steht das Vorhaben nach Ansicht des Landesumweltanwaltes in Widerspruch zu den im Bodenschutzprotokoll der Alpenkonvention festgelegten Moorschutz-Bestimmungen.

Die Tiwag will im Platzertal einen Stausee mit 120m hohem Damm errichten. Im Pumpbetrieb würde Wasser vom Gepatschspeicher ins Platzertal gepumpt werden, um dann im neuen Kraftwerk am Fuß des Gepatschspeichers abgearbeitet zu werden. Aus 10 Einheiten Pumpstrom werden bei diesem Vorgang nur 7 Einheiten Strom "erzeugt", es entsteht also ein Stromverlust von ca. 30 Prozent. Der Pumpstrom, der größtenteils von günstigem Kohle- und Atomkraftwerken stammt, muss dazu noch größtenteils aus dem Ausland importiert werden. Die Möglichkeit zum Stromgewinn aus natürlichem Zufluss ist im Platzertal verschwindend gering.

 

Neben Taschachtal und Fernergries ist das Platzertal die dritte der Speichervarianten für den Kaunertalausbau. Lebenswertes Kaunertal steht auch der Speichervariante Platzertal äußerst kritisch gegenüber, nicht zuletzt weil der Haupteil der Belastungen eines Ausbaus das Kaunertal tragen würde, unabhängig von der schlussendlich bevorzugten Pumpspeichervariante. Bei der Variante Platzertal wäre ein zusätzlicher Erschließungsstollen von 6 Kilometern Länge vorgesehen, geeignet für schweres Gerät. Ein Erschließungsstollen hätte auch eine Verlängerung der Bauzeit auf 10 Jahre zur Folge. Größtenteils vorgetrieben würde dieser Stollen vom Kaunertal aus, genauso wie die Überleitungsstollen aus dem Ötztal und die Triebwasser-/Pumpstollen von und zu den Pumpspeichern. Das hieße auch, dass alle schweren Maschinen und Materialtransporte durch das Kaunertal geführt werden müssten. Es ist zudem fraglich, ob die rutschgefährdeten Talflanken des Gepatschspeichers das stark veränderte Stauverhalten und die zusätzlichen Wassermassen aus dem Ötztal überhaupt verkraften würden.

Die Tiwag hat mit den geologischen Erkundungen im Platzertal begonnen. Am oberen Ende der Tscheywiesen wurde das Material gelagert, auf den Wiesen parkten die Autos der Baufirmen. Ein Hubschrauber flog pausenlos mit Material von der Tscheywiese ins Tal, mehrere Bohrgeräte waren Tag und Nacht im Einsatz. Der Weg ins Platzertal, der seit Jahrzehnten für Vieh- und Almtransporte genutzt wird, wurde von der Tiwag für große Fahrzeuge erweitert.

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