Bericht von Karlheinz Baumgartner

Bericht von Karlheinz Baumgartner über die Exkursion ins Fernergries

Der Gletscherforscher Univ. Prof. Dr. Gernot Patzelt führte uns zum Gepatsch-Ferner
Exkursionsbericht von Karlheinz Baumgartner

Das Gletschervorfeld erzählt über die Gletscher – und zugleich über die Klima-Geschichte.
Die Landschafts - formende Aktivität des Gletschers in den Etappen seiner Vorstöße und seiner Rückzüge ist jetzt – da sich der Gletscher so weit zurückgezogen hat – mit allen ihren Auswirkungen eine offen liegende Fundgrube für Gletscherforscher, Gletscherfreunde – für alle Menschen, die für die bis ins Heute wirkende Naturgeschichte dieser großartigen Talschaft interessiert sind.

Die Moränen, die Gletscherschliffe, die Vegetation – Hangrutschungen und Steinschläge sind Zeugen des Geschehens.

Prof. Patzelt führte uns zu einer Zirbe, die der Gletscher 1769 umgeschoben hat. Ihr Holz ist total gesund – riecht sogar noch nach Zirbe! Der Baum war, wenn ich mich richtig erinnere, schon 300 Jahre alt. Dendrochronologische Untersuchungen können das Alter heute ja exakt feststellen – und die Jahresringe sind einwandfrei in die „Lebenskurfen“ seiner Zeit einpassbar. So ein Baum erzählt einem Wissenschafter von heute viel – seinen Kollegen in 30 – 50 Jahren weiß er wahrscheinlich noch mehr zu berichten – wenn er noch weiterhin da liegen bleiben darf.

Die vom Gletscher modellierten und polierten Felswände und die zu gigantischen Riesenskulpturen gerundeten Elemente der Felslandschaft, die am Grund des Gletschers gelegen hatte, verfärbten sich nach dem Gletscherrückzug, sobald die freie Luft sie erreichen konnte, in Töne von Ocker und Rot – Oxydation ihres Eisengehalts – und in Dunkel-Violett bis Tief-Blau durch Mangan-Oxydationen.

Mit scharfen Steinen, die die Eismassen mit ungeheuerem Druck auf die Felsen drückten, schrieb der Gletscher Botschaften in sie, die kein Mensch dekodieren kann.

Vergleichbar sind diese Kunstwerke der Natur vielleicht noch mit dem Ayers Rock in Australien – nur das den kein Gletscher überarbeitet hat.

Dieses lebendige Lehrbuch einer jahrhunderte und jahrtausende alten Geschichte darf doch nicht einfach gesprengt und ertränkt werden!

Durch einen viele Kilometer langen Stollen sollen pro Sekunde 80 Kubikmeter Wasser aus dem Ötztal – gemeinsam mit dem Gletscherbach und den Wasserfällen rundum - in den Pumpwasser-Speichersee geführt werden, der durch einen Schüttdamm von 170 m Höhe geschaffen werden soll.

„Soll“ eben nicht!!! Absolut nicht!

Schon durch den Stausee weiter vorne im Tal ist eine Landschaft von Almen und ausgedehnten Wäldern von Lärchen, Fichten und vor allem Zirben vernichtet worden.

Auch eine so mächtige Firma wie die TIWAG darf sich nicht das Recht nehmen, die Kaunertaler und ihre Gäste dieser grandiosen Natur vollends zu berauben!

Es ist ja nicht so, dass anderswo in Tirol – in Österreich – sowieso noch ähnliche Schätze bestünden. Dem Gepatschferner ist nur noch die Pasterze vergleichbar. Nur diese beiden Gletscher führten ihre Zungen bis in die Waldungen hinunter.

Und wenn der Gletscher einmal ganz verschwunden sein wird – welche Tourismus-Zampanos werden dann noch Gäste ins Tal locken können – wenn auch der Sommertourismus nichts mehr zu bieten hat?!

Am Tigris scheint sich nun das Blatt endgültig zugunsten der Einfühlsamen und Vernünftigen zu wenden. Das herrliche Flusstal und die Seitentäler in der Nähe von Hasankeyf, die ganze phantastische Kultur- und Naturlandschaft kann vorsichtig aufatmen! Der Verzicht Deutschlands auf dieses verlockende Geschäft ist, wie D.I. Uli Eichelmann von Eca - Watch schreibt, das allererste Beispiel dafür, dass die Exportwirtschaft aus humanitären, ökologischen und kulturellen Gründen aus einem fix geschlossenen Vertrag wieder aussteigt.
Sind wir in Tirol wirklich so viel gröber, dümmer, unsensibler als die Deutschen und die Anatolier?

Prof. Patzelt ist bereit, eine ähnliche Exkursion auch im Herbst anzubieten.
Da würde ich allen meinen Arbeitskreis-Freunden empfehlen, teilzunehmen!