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Beschluss der Sektion Frankfurt/Main zum Kraftwerksausbau im Kaunertal

Jul
26

Seit weit über hundert Jahren ist die Sektion Frankfurt/Main des deutschen Alpenvereins ein wichtiger Partner des Kaunertals. Mit den drei Sektionshütten auf Kaunertaler Gemeindegebiet, Gepatschhaus, Rauhekopfhütte und Verpeilhütte, und mit der Pflege eines weitläufigen Wegenetzes ist sie eine enorme Bereicherung für den Berg-Tourismus im Kaunertal, zu dessen Entstehung sie mit der Erschließung der ersten Alpenvereinshütten im ausgehenden 19. Jahrhundert maßgeblich beigetragen hat.

Bereits im März hat die Mitgliederversammlung der Sektion Frankfurt/Main ihre Haltung zu den Kraftwerks-Ausbauplänen der Tiwag dargelegt. Der unten angefügte Beschluss ist seit einiger Zeit auf der Homepage der Sektion Frankfurt/Main abrufbar:

Resulution

Die Mitgliederversammlung der Sektion Frankfurt am Main des DAV nimmt von der
Absicht der TIWAG Kenntnis, nochmals einen weiteren Stausee mit unabsehbaren
Eingriffen in Natur und Landschaft im Kaunertal zu errichten. Am Talende soll
das Ruhegebiet Fernergries einer Pumpspeicheranlage mit Staubecken zum Opfer
fallen. Damit würden vielfältig ökologisch wertvolle Landschaftsteile zerstört
oder überstaut und eine ca. 180 m hohe Staumauer in unmittelbarem Vorfeld
unseres Gepatschhauses gebaut. Nach den gegenwärtigen Planungen steht das
Projekt im Widerspruch zum gemeinsamen Grundsatzprogramm des Österreichischen
und Deutschen Alpenvereins und ist deshalb eindeutig abzulehnen.

Als Sektion, die im 19. Jahrhundert die touristische Erschließung im Kaunertal
eingeleitet hat und sich mit dem Tal und seiner Bevölkerung eng verbunden
fühlt, teilen wir die massiven Bedenken der örtlichen Bürgerinitiative
„Lebenswertes Kaunertal". Wir erklären uns mit deren Bestrebungen solidarisch.

Eine besondere Lage ergibt sich für das Gepatschhaus, das nicht nur durch die
Belastung der Großbaustelle über viele Jahre in Mitleidenschaft gezogen würde,
sondern künftig jeden touristischen Wert einbüßen würde. Damit verlöre der
Deutsche Alpenverein einen alpinen Stützpunkt von bauhistorischer Bedeutung,
ist er doch seit 1873 die erste Hütte, die seinerzeit vom Alpenverein in
Österreich errichtet wurde.

Frankfurt am Main, den 25. März 2009

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Gemeinde Kaunertal lehnt Antrag auf Vereinsförderung ab

Jul
22
Blog: 

Am 17. April trafen sich auf Initiative des Vereins mehrere Vertreter von lebenswertem Kaunertal mit Bürgermeister Pepi Raich. In dem Gespräch kristallisierte sich schon bald die völlig unterschiedliche Haltung zum Tiwag-Projekt heraus. Raich deklarierte sich als klarer Befürworter des Ausbauprojekts der TIWAG. Als Obmann der Agrargemeinschaft Birgalpe hatte er zu diesem Zeitpunkt bereits den inzwischen angelaufenen geologischen Erhebungen im Fernergries zugestimmt. Die Haltung des Bürgermeisters überraschte nicht, erstaunt war der Verein allerdings darüber, dass von Raich eine Vereinsförderung durch die Gemeinde in Aussicht gestellt wurde. Der Bürgermeister selbst empfahl einen Antrag einzubringen und betonte, dass jeder Verein Anspruch darauf hätte, und somit natürlich auch der Verein Lebenswertes Kaunertal. Immerhin hat der Verein inzwischen bereits 171 Mitglieder, 98 davon Kaunertaler Gemeindebürger.

Der Antrag wurde nun bei der Gemeinderatssitzung am 15. Juli abgelehnt. Für den Verein kam diese Entscheidung auf Grund der Vorgeschichte überraschend, war aber mit acht gegen drei Stimmen eindeutig.

In der selben Gemeinderatssitzung wurde übrigens auch über einen Rechtsbeistand entschieden. Dieser soll die Gemeinde bei Verhandlungen mit der Tiwag unterstützen.

Die gleichzeitig mit dem Förderungsantrag eingebrachte Forderung des Vereins nach einer öffentlichen Informationsveranstaltung zum Kaunertalprojekt der Tiwag war bei dieser Gemeinderatssitzung nicht auf der Tagesordnung. Ob dieser Punkt beim nächsten mal aufgenommen wird, ist nicht bekannt.

Zum Herunterladen: Originaltext des Ansuchens auf Vereinsförderung als PDF-Datei

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Tiwag hat geologische Erkundigungen gestartet

Jul
16

Die geologischen Erkundungen im Fernergries haben begonnen. Anscheinend wurde eine deutsche Firma (http://www.geophysik-ggd.com) von der Tiwag beauftragt die Vorerhebungen(?) für die Bohrungen durchzuführen. Es wurden auch bereits Sprengungen für seismographische Untersuchungen durchgeführt. Anwesende Personen zeigten sich von den Vorgängen betroffen.

Die Untersuchungen unterliegen hohen Naturschutz-Auflagen und werden hoffentlich mit entsprechend großer Sorgfalt ausgeführt, um die Schäden in diesem Natura 2000 Gebiet möglichst gering zu halten. Trotzdem ist zu befürchten, dass die Erkundungen nicht ohne bleibende Schäden ablaufen könnten. Die Bewilligung läuft angeblich bis 30.11.2010. In eineinhalb Jahren kann viel passieren. Entspechend kritisch sehen wir die aktuellen Vorgänge im Fernergries.

Es ist meiner Meinung nach absehbar, dass die Probebohrungsarbeiten nicht nur die Natur, sondern auch den Tourismus im Fernergries beeinträchtigen werden.

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AK Wasserkraft | Probebohrungen im Fernergries ab nächster Woche

Jul
16

Nach langer Pause fand am 14. Juli wieder einmal eine Sitzung des Arbeitskreises Wasserkraft des Innovationsprojekts Kaunertal statt. Nach dem Vortrag über die UVP von Dr. Wienerroither vom Lebensministerium bot sich die Gelegenheit die Kollaudierung des bestehenden Kraftwerkes anzusprechen. Wienerroither bestätigte die schiefe Optik einer seit 45 Jahren (!) ausständigen Betriebsbewilligung und gab an, das Ministerium arbeite nun mit Hochdruck an einem Abschluss. Mit einem Ergebnis sei in spätestens einigen Monaten zu rechnen.

Unmut erregte die Aussage von Dipl. Ing. Stroppa, dem Tiwag-Projektleiter, es habe keine Änderungen im Projekt gegeben. Tatsächlich ist die kolportierte Angabe über die Staumauerhöhe seit Oktober von in etwa "gleich hoch, 150 Meter" (Quelle) [Anm.: im Vergleich zur Mauer des bestehenden Speichers] und "160 Meter" (Quelle) auf 165 und jetzt aktuell 170 Metern gewachsen. Stroppa betonte, dass die Angaben über die Seehöhe des Stauziels und auch der Dammkrone unverändert geblieben seien, eine schlüssige Erklärung über die kolportierten Ausmaße der projektierten Staumauer blieb allerdings aus.

Auf Nachfrage bestätigte Stroppa die Bewilligung zu Probebohrungen im Fernergries. Diese würden mit Anfang nächster Woche beginnen. Genauere Angaben über etwaige Auflagen wollte er nicht mitteilen. Eine Nachfrage vom Verein Lebenswertes Kaunertal über das Bewilligungsverfahren bei der Bezirkshauptmannschaft Landeck wurde mit der Begründung abgewiesen, dass der Verein in dieser Sache nicht berechtigt sei und man deshalb keine Auskunft über Ergebnis und Inhalt der Bewilligungsverhandlung geben könne.

Zu den Probebohrungen im Taschachtal teilte Stroppa mit, dass eine der Bohrungen abgeschlossen sei, und dass dort das Muttergestein bei einer Tiefe von 78,2 Metern erreicht wurde. Derzeit wären aber die weitere Bohrungen ausgesetzt. Grund dafür seien Naturschutzauflagen (Brutzeit). Dass nun aber zur gleichen Zeit im Fernergries Probebohrungen begonnen werden, während die Auflagen dies im Taschachtal nicht zulassen, gibt zu denken. Eine Veröffentlichung der Bewilligung samt Auflagen wäre hier notwendig, speziell weil es sich hier um Probebohrungen für ein UVP-pflichtiges Großprojekt und ein Natura 2000 Gebiet in einem besonders sensiblen Lebensraum handelt.

Gleichzeitig muss bemängelt werden, dass seitens der Tiwag anscheinend kaum Anstalten gemacht wurden, die Bevölkerung über den Beginn der Probebohrungen zu informieren und man versucht anscheinend das Projekt stillschweigend voranzutreiben. Laut Stroppa sind auch bereits alle für eine allfällige UVE notwendigen Gutachten in Auftrag gegeben worden. Nur für den Bereich der Wasserfassungen im Ötztal sei dies noch nicht geschehen.

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Exkursionsbericht von Pfarrer Baumgartner

Jun
23

Pfarrer Karlheinz Baumgartner hat uns seinen Bericht von der Wanderung ins Fernergries zugeschickt:

Der Gletscherforscher Univ. Prof. Dr. Gernot Patzelt führte uns zum Gepatsch-Ferner
Exkursionsbericht von Karlheinz Baumgartner

Das Gletschervorfeld erzählt über die Gletscher – und zugleich über die Klima-Geschichte.
Die Landschafts - formende Aktivität des Gletschers in den Etappen seiner Vorstöße und seiner Rückzüge ist jetzt – da sich der Gletscher so weit zurückgezogen hat – mit allen ihren Auswirkungen eine offen liegende Fundgrube für Gletscherforscher, Gletscherfreunde – für alle Menschen, die für die bis ins Heute wirkende Naturgeschichte dieser großartigen Talschaft interessiert sind.

Die Moränen, die Gletscherschliffe, die Vegetation – Hangrutschungen und Steinschläge sind Zeugen des Geschehens.

Prof. Patzelt führte uns zu einer Zirbe, die der Gletscher 1769 umgeschoben hat. Ihr Holz ist total gesund – riecht sogar noch nach Zirbe! Der Baum war, wenn ich mich richtig erinnere, schon 300 Jahre alt. Dendrochronologische Untersuchungen können das Alter heute ja exakt feststellen – und die Jahresringe sind einwandfrei in die „Lebenskurfen“ seiner Zeit einpassbar. So ein Baum erzählt einem Wissenschafter von heute viel – seinen Kollegen in 30 – 50 Jahren weiß er wahrscheinlich noch mehr zu berichten – wenn er noch weiterhin da liegen bleiben darf.

Die vom Gletscher modellierten und polierten Felswände und die zu gigantischen Riesenskulpturen gerundeten Elemente der Felslandschaft, die am Grund des Gletschers gelegen hatte, verfärbten sich nach dem Gletscherrückzug, sobald die freie Luft sie erreichen konnte, in Töne von Ocker und Rot – Oxydation ihres Eisengehalts – und in Dunkel-Violett bis Tief-Blau durch Mangan-Oxydationen.

Mit scharfen Steinen, die die Eismassen mit ungeheuerem Druck auf die Felsen drückten, schrieb der Gletscher Botschaften in sie, die kein Mensch dekodieren kann.

Vergleichbar sind diese Kunstwerke der Natur vielleicht noch mit dem Ayers Rock in Australien – nur das den kein Gletscher überarbeitet hat.

Dieses lebendige Lehrbuch einer jahrhunderte und jahrtausende alten Geschichte darf doch nicht einfach gesprengt und ertränkt werden!

Durch einen viele Kilometer langen Stollen sollen pro Sekunde 80 Kubikmeter Wasser aus dem Ötztal – gemeinsam mit dem Gletscherbach und den Wasserfällen rundum - in den Pumpwasser-Speichersee geführt werden, der durch einen Schüttdamm von 170 m Höhe geschaffen werden soll.

„Soll“ eben nicht!!! Absolut nicht!

Schon durch den Stausee weiter vorne im Tal ist eine Landschaft von Almen und ausgedehnten Wäldern von Lärchen, Fichten und vor allem Zirben vernichtet worden.

Auch eine so mächtige Firma wie die TIWAG darf sich nicht das Recht nehmen, die Kaunertaler und ihre Gäste dieser grandiosen Natur vollends zu berauben!

Es ist ja nicht so, dass anderswo in Tirol – in Österreich – sowieso noch ähnliche Schätze bestünden. Dem Gepatschferner ist nur noch die Pasterze vergleichbar. Nur diese beiden Gletscher führten ihre Zungen bis in die Waldungen hinunter.

Und wenn der Gletscher einmal ganz verschwunden sein wird – welche Tourismus-Zampanos werden dann noch Gäste ins Tal locken können – wenn auch der Sommertourismus nichts mehr zu bieten hat?!

Am Tigris scheint sich nun das Blatt endgültig zugunsten der Einfühlsamen und Vernünftigen zu wenden. Das herrliche Flusstal und die Seitentäler in der Nähe von Hasankeyf, die ganze phantastische Kultur- und Naturlandschaft kann vorsichtig aufatmen! Der Verzicht Deutschlands auf dieses verlockende Geschäft ist, wie D.I. Uli Eichelmann von Eca - Watch schreibt, das allererste Beispiel dafür, dass die Exportwirtschaft aus humanitären, ökologischen und kulturellen Gründen aus einem fix geschlossenen Vertrag wieder aussteigt.
Sind wir in Tirol wirklich so viel gröber, dümmer, unsensibler als die Deutschen und die Anatolier?

Prof. Patzelt ist bereit, eine ähnliche Exkursion auch im Herbst anzubieten.
Da würde ich allen meinen Arbeitskreis-Freunden empfehlen, teilzunehmen!

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Die Wanderung mit Professor Patzelt war ein voller Erfolg!

Jun
22

Die Wanderung mit Professor Patzelt am Samstag war ein tolles Erlebnis. Trotz düsterer Wetteraussichten hatten wir Glück und verbrachten einen trockenen, teilweise sogar sonnigen Tag im Fernergries. Die von Professor Patzelt geführte Wanderung lockte fast 90 Teilnehmer ins Kaunertal.
>> Hier gibts einen kurzen Bericht (mit Video)

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Wanderung ins Fernergries mit Prof. Gernot Patzelt

Jun
08

Die Wanderung findet heute auf jeden Fall statt!

Für Samstag, den 20. Juni haben wir eine Wanderung ins Fernergries organisiert. Mehr Informationen gibt es hier.

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NEIN zu bevorzugtem Kraftwerks- und Stromleitungsbau!

Jun
03

Der Umweltdachverband berichtet:

"Einer der größten Skandale in der Geschichte des Umwelt- und Naturschutzes bahnt sich an: BM Mitterlehner will den «bevorzugten Kraftwerks- und E-Leitungsbau» in das ElWOG einschleusen. Damit sollen künftig Wasserkraft-, Strom- und Gasleitungsprojekte durchgepeitscht werden. Rechte der Bevölkerung, der Umwelt und des Naturschutzes werden massiv beschnitten. Der UWD startet eine Online-Unterschriftenkampagne gegen dieses Steinzeitgesetz..."

zur Online-Unterschriftenkampagne!

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Stromverbrauch sinkt!

Mai
31

Wie die Tiroler Tageszeitung berichtet ist der Stromverbrauch in Tirol gesunken. Dieser sinkende Strombedarf ist natürlich kein Tiroler sondern ein EU- und weltweites Phänomen. Diese Entwicklung ist eine Auswirkung der Finanzkrise.

Fast schon peinlich ist in diesem Zusammenhang, dass für TIWAG-Chef Wallnöfer selbst ein sinkender Stromverbrauch ein Argument für den Kraftwerksausbau darzustellen scheint.

Die Realität sieht natürlich anders aus. Angesichts des sinkenden Strombedarfs macht ein Kraftwerksausbau keinen Sinn. Dies gilt ganz besonders für ökologisch und wirtschaftlich so umstrittene Projekte wie den Ausbau des Kaunertalkraftwerks.

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Gepatschspeicher im Mai

Mai
16

Anfang Mai 2009 sah der Gepatschspeicher so aus:

Man könnte denken hässlicher gehts nicht, aber in anderen Jahren war er zu dieser Zeit schon leerer (und somit noch hässlicher) und das obwohl der See heuer nicht einmal ganz gefüllt war. Vermutlich liegt das daran, dass man gar nicht so viel Strom verkaufen konnte wie der Speicher hergeben würde.

Schon Ende April schreibt diePresse.com über die Lage der E-Wirtschaft: "Der Bedarf der Industrie sinkt, Finanzierungen für Investitionen werden teurer."

Das Hirngespinst Ausbau Kaunertalkraftwerk wird immer noch unrealistischer.

Posted By Christoph Praxmarer Weiterlesen

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